Sie sind hier: home - Themen - Gesteinsabbau - Sternmarsch 31.10.2001 - Ansprache der Vorsitzenden des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e.V.

Sternmarsch - Ansprache der Vorsitzenden des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e.V.


Ansprache der Vorsitzenden des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e.V. zum Sternmarsch

Vorsitzende des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e.V. Frau Dr. Otto


Wortlaut der Rede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

ich versuche laut zu sprechen, aber ich glaube wir schaffen es nicht hier weiter aufzudrehen. Ich möchte Ihnen bekannt geben, daß wir gezählt haben, wir sind über 800 Mann und Frauen und Kinder. Man kann uns nicht einfach überhören. Ich spreche zu Ihnen hier als Vertreterin des Vereines für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes Claußnitz und Umgebung e. V. . Wir haben uns 1994 zu einem Verein zusammengefunden weil wir Probleme hatten mit dem ersten Steinbruch der hier aufgemacht wurde, oder der zweite war es besser. Wir sind Mitglied der Gesteinsinitiative e. V. und der Grünen Liga. Das ist die Vereinigung aller Umweltverbände auf dem Gebiete Ostdeutschlands.

Auf unserer Einladung stand: "Heimat ist unverkäuflich!" In einer Zeit in der die Welt immer beliebiger und immer schneller wird, kommt es immer mehr Menschen vor, als müssen Sie sich wieder etwas mit Ihrer Heimat beschäftigen. Und Heimat ist nicht einfach nur etwas sentimentales oder ein altmodischer Begriff. Die hier lange leben und die vielleicht auch einmal lange fort waren, die wissen, daß Heimat eigentlich die Summe der Identifikationspunkte einer Landschaft sind. Das sind die Höhenzüge, die Bergrücken, das sind die Wälder die hier sind, das sind aber auch Häuser und Anhaltspunkte an denen wir unsere Heimat immer wiedererkennen.

Wenn wir das zulassen, was man hier mit uns vorhat, werden unsere Kinder oder wir selbst unsere eigene Heimat nicht wiedererkennen. Für den Erhalt unserer Heimat einzutreten ist also auch unser gutes Recht und meines Erachtens auch unsere Pflicht. Wir haben in den letzten Monaten, wie der Bürgermeister schon sagte, über Tausend Unterschriften gesammelt und jeder hat sich dabei etwas gedacht. Und jetzt sind wir hier um das mit unserer Person zu bekräftigen, daß wir hier sind und sagen : "Wir wollen das nicht!" Wir haben in Übereinstimmung dieses, mit dem Gemeinderat und mit den drei Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden getan, so daß also eine Einheit hier da ist, die woanders in anderen Bürgerinitiativen sicher nicht immer in gleicher Weise zu sehen ist.

Im Einigungsvertrag wurde dieser Passus mit der Begründung reingebracht: Wir müßten doch den Aufbau Ost ganz schnell bewältigen. Wir sagen hierzu: Die Westdeutschen sind mit ihrem Bergrecht auch gut zum Aufbau West gekommen, also hätten wir das auch so geschafft.

Leider Gottes ist es nun so gekommen, daß wir praktisch zu einem riesigen, gewaltigen, rücksichtslosen Ausverkauf unserer Landschaft gekommen sind, mit dem Ergebnis von Überproduktion, ruinösen Wettbewerb und Landschaftszerstörung, weil die Kräfte des Marktes, die sonst immer viel beschworen wurden, in diesem Falle außer Kraft gesetzt wurden. Allein in unseren Orten, der Bürgermeister hat eine andere Zahl gesagt als ich, aber beide Zahlen stimmen, weil ich nämlich sämtliche Felder zusammengezählt habe, die hier, inklusive Claußnitz, Königshain sind. Da haben wir zusammen 585 ha, die entweder schon da sind, oder in der Zukunft kommen sollen.

Mit dem Abbau aber kommt Lärm. Und ich als Ärztin kann Ihnen sagen: Lärm macht krank! Lärm macht Herzkreislaufprobleme, Herzinfarkt, Schlaganfall, der sogenannte Tinnitus, erhöhte Asthmabereitschaft bei Kindern und macht müde und macht Unwohlsein. Es gibt jetzt schon durch den erhöhten Straßenverkehr keine Stille mehr bei uns. Der Lärm, die Erschütterungen beim sprengen, der Lärm den wir alltäglich um uns haben, der wird immer stärker und auch die Brechwerke, von denen man erst gesagt hat, daß sie uns gar nicht stören, die sind nicht eingehaust. Und doch haben wir ständig die Brechwerke in unseren Ohren, auch wenn es mal nachmittags Sonnabends ruhig sein soll.

Die beiden Bergwerksfelder "Bernd" und "Hugo" vor denen wir hier protestieren, sind zusammen fünfeinhalbmal großer als die Westsächsische derzeit. Da können Sie sich ein Ausmaß machen, wie groß die Löcher würden. Wir haben es dann also nicht mehr mit Bergen zu tun, sondern mit großen Kratern. Es handelt sich also um eine gigantische Landschaftszerstörung, und der wollen wir hier nicht tatenlos zusehen. Bisher sind bei den bereits bestehenden Bergwerksfeldern keinerlei Aktivitäten der Betriebe zu sehen, eine schöne Landschaft wieder herzustellen. Das wird uns ja immer versprochen, es wird gesagt: Ihre kriegt dann lauter Ökosysteme, wir können uns dann nicht mehr retten vor Ökosystemen. Aber schon die Vorhergehenden haben die Leute betrogen, haben gesagt: Ihr kämpft für die bessere Zukunft Eurer Kinder. Und wir wollen das nicht mehr mitmachen, das man uns immer bessere Zeiten für die nächste Generation verspricht.

Unser Kirchsteig wurde verlegt, das wissen Sie auch, auf dem kann man nicht mehr gut gehen, er ist unfreundlich, er ist auch unangenehm. Angesichts des großen politischen Fehlers der gemacht wurde, verlangen wir wenigstens eine Wiedergutmachung oder das Bemühen der Verantwortlichen, jetzt in der Situation etwas für uns zu tun. Ich habe hier neun Punkte aufgeschrieben:

  • Wir erwarten das die Unternehmer vor Neuaufschlüssen nachweisen müssen, daß ein echter Bedarf an eben diesen Rohstoffen vorhanden ist. Hierzu soll erst mal geprüft werden, wie viel von den Steinbrüchen arbeiten denn voll und wie viel liegen halt brach oder wie viel Halden sind da.
  • Wir erwarten, daß sich die Umweltämter und das staatliche Umweltfachamt für ihre Landschaft und für ihre Landschaftsschutzgebiete auch aktiv einsetzen. Dafür werden sie nämlich gut bezahlt.
  • Wir erwarten, daß sich die Landwirtschaftsämter für ihre Bauer einsetzen und für ihren Ackerboden.
  • Wir erwarten, daß die Planungsbehörden zum Wohle der Gemeinden planen und nicht reine Erfüllungsgehilfen von Gesetzen sind, die 1990 eilig auf den Weg gebracht und in ihren Auswirkungen nicht bedacht wurden.
  • Wir erwarten, daß man sich über zumutbare Transportmengen, Transportwege und Transportarten mehr Gedanken macht und nicht nur einfach verlangt, daß die Bevölkerung das duldet.
  • Wir erwarten, das Sachsen den geschädigten Kommunen einen Teil der Förderabgaben abtritt, und das daß praktisch als Ausgleich für die Lasten zur Verfügung gestellt wird, die diese Gemeinden tragen.
  • Wir fordern, das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden ein.
  • Und dann fordern wir noch, das elf Jahre nach der förmlichen Einheit Deutschlands die Menschen in Ost und West gleich behandelt werden und Schluß ist mit der Androhung von Flächeninanspruchnahmen.
  • Wir fordern, daß nicht Raubbau sondern ein Kreislauf Wirtschaft unsere Zukunft in der Wirtschaft bestimmen wird.

Wir haben eine elegante Lösung für das Problem: Lassen wir die Bodenschätze ruhen, bis spätere Generationen diese dringend benötigen.

Fazit: Wir brauchen keinen "Hugo" und keinen "Bernd" und wir brauchen auch nicht die großen Sandfelder in Königshain-Wiederau und Altmittweida.

Wir haben alle nur eine begrenzte Zeit auf der Erde zu leben, und diese Zeit wollen wir auch für uns nutzen. Denn irgendwann ist sie zu Ende. Der Herr Goethe, ein alter Herr aus alten Zeiten, der hat mal gesagt:

Über allen Gipfeln ist Ruh`
In allen Wipfeln spürest du,
kaum einen Hauch,
die Vögelein schweigen im Walde,
warte nur, balde ruhest du auch.

Daran sollten Sie immer denken.

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