Sie sind hier: home - Themen - Gesteinsabbau - Sternmarsch 31.10.2001 - Ansprache Pfarrer Schmidt aus Claußnitz

Sternmarsch - Ansprache Pfarrer Schmidt aus Claußnitz

Ansprache Pfarrer Schmidt aus Claußnitz zum Sternmarsch

Pfarrer Schmidt aus Claußnitz


Wortlaut der Rede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

als ich vor einigen Jahren hier nach Claußnitz zugezogen bin, da habe ich sofort auf Anhieb diese Gegend liebgewonnen. Sie hat etwas einmaliges, etwas besonderes, wo man sofort merkt, hier wohnt man gerne, hier lebt man gerne. Ich war natürlich geschockt, wenige Jahre nach der Wende, als ich die Landkarte sah und unsere Gegend aufgeteilt war in verschiedene Bergwerke. In Sichtweite ein Tagebau an dem anderen und ich habe mich sofort bereiterklärt hier mitzuarbeiten, daß es nicht dazu kommt. Die Menschen haben es hier nicht verdient, und keiner hat es verdient und es ist niemandem zuzumuten, daß hier einmal eine Mondlandschaft entsteht. Wir haben aus diesem Grund sehr aktiv von Anfang an in unserem Verein gearbeitet, mit allen Bürgern hier zusammen, mit dem Oberbergamt und haben es erreicht, daß immerhin einige Abbaugebiete von vornherein abgelehnt worden sind. Stellen Sie sich vor, hinter der Claußnitzer Schule, Mittelschule, sollte zum Königshainer Wald eine Sandgrube entstehen, auf Röllingshainer Flur nach Garnsdorf rüber die nächste Sandgrube, nach Wiederau rüberzu an der 107 rechts und links die nächsten beiden Sandgruben. Mohsdorf, der Gesteinsabbau ist noch nicht ausgestanden. Wir wissen nicht, was auf dem Butterberg in Wiederau geschieht. Der Königshainer Wald ist immer noch als Bergwerk eingezeichnet. Und heute stehen wir hier wegen einem massiven Eingriff in unserer Natur, in unserem Lebensraum.. Das können wir uns nicht gefallen lassen.

In den Jahren in denen ich hier mitgearbeitet habe, haben wir kleine Erfolge gesehen, aber auch große Enttäuschungen erlebt. Das kann ich einfach hier so sagen. Und es hat immer wieder Leute gegeben, die gesagt haben: Es hat ja gar keinen Sinn, es hat keinen Zweck, die sind ja viel zu stark. Wir können da überhaupt nichts tun.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder, heute sind wir viel, aber überlegt nur, morgen werden wir vielleicht nur mal ein kleiner Kreis sein und übermorgen wird es ein Einzelner sein, der wegen seinem Grund und Boden eine Entscheidung zu fällen hat. Ich frage mich deshalb, und ich frage euch auch, wo nehmen wir auf Zukunft hin den Mut her, die Hoffnung auch noch anzutreten. Es ist ganz einfach, ich sage es so: Wir nehmen den Mut und die Hoffnung von daher, das wir sagen, wir sind auf einem guten Weg. Und auf einem guten Weg hat man immer ein gutes Ziel und dieses Gute werden wir auch erreichen. Wie denn sonst? Und ich denke da wird unser Weg auch von Erfolg gekrönt sein. Wie der auszusehen hat wissen wir nicht. Aber, wenn wir auf diesem Weg unsere Hoffnungen fallen lassen, werden wir nichts erreichen. Und deshalb möchte ich euch zurufen: Gebt eure Hoffnung nicht auf, auch auf Zukunft hin. Das ist meine erste Forderung.

Meine zweite Forderung: Seid sehr aufmerksam dort wo euch Menschen die Hoffnung nehmen. Seid sehr aufmerksam und seht ganz genau hin. Das können Institutionen sein, das können staatliche Behörden sein, das können Unternehmen sein, die uns Angst machen, die mit Gesetzen kommen und die uns auch mit Geld zum schweigen bringen. Und die nehmen uns am Ende unsere Hoffnung. Und wir wissen das Gesetze auch, selbst in einem Rechtsstaat, Unrecht bedeuten können und deshalb stehen wir ja auch hier und wir können wenigstens froh sein, daß wir das an dieser Stelle auch aussprechen können. Also seid sehr aufmerksam wenn euch Menschen Hoffnungen nehmen wollen. Und wir haben es schon oft genug erlebt.

Und meine dritte Forderung: Laßt euch um Himmelswillen nicht auseinanderbringen oder gegeneinander ausspielen, das würde unsere Kräfte nur schwächen. Und ich bin froh das wir heute so viele zusammen sind und das soll auf Zukunft hin so bleiben.

Ich möchte daran erinnern, daß es immer schon wieder Leute gegeben hat, die gegen einen Goliath angetreten sind, also gegen eine Übermacht, gegen eine gewaltige Übermacht. Und sie waren nur wenige, und sie waren vielleicht bloß Frauen, und sie waren vielleicht bloß Leute, die überhaupt keine Mittel hatten. Und sie haben trotzdem gewonnen, weil sie ihre Hoffnung nicht aufgegeben haben. Und denkt vielleicht auch an den kleinen Stein, der ins Wasser fällt und große Kreise zieht. Und so denke ich auch, wenn wir für eine lebenswerte Umgebung und Heimat eintreten und dabei den Mut nicht verlieren, dann wird das große Kreise ziehen und wird immer zu einem guten Ziel uns bringen.

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