Sie sind hier: home - Themen - Gesteinsabbau - Sternmarsch 31.10.2001 - Ansprache des Bürgermeister der Gemeinde Claußnitz

Sternmarsch - Ansprache des Bürgermeister der Gemeinde Claußnitz

Bürgermeister Hermsdorf bei seiner Ansprache

Günther Hermsdorf
Bürgermeister der Gemeinde Claußnitz


Wortlaut der Rede

Sehr geehrte Einwohner unserer Region, verehrte Gäste,

ich möchte Sie alle recht herzlich zum heutigen Sternmarsch gegen den massiven Bergbau in unserer heimatlichen Region auf der Fläche des Bergwerksfeldes "Hugo" in Markersdorf begrüßen, und ich freue mich, daß Sie trotz dieses schlechten Wetters alle den Weg hierher gefunden haben. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Es zeigt uns und uns allen, wie wichtig dieses Anliegen doch für Sie ist.

Ich möchte ganz besonders herzlich begrüßen, das Mitglied des Landtages Herrn Dr. Peter Jahr, unseren Landrat Herrn Dr. Schramm, den Bürgermeister der Gemeinde Taura Herrn Klaus Vivus, den Bürgermeister Johannes Voigt aus Königshain-Wiederau, die Gemeinderäte aus unseren Gemeinden, aber auch ganz wichtig, alle Einwohner der Gemeinden Claußnitz, Taura, Königshain-Wiederau und der umliegenden Ortschaften, sowie alle Gäste und die Vertreter der Medien.

Es ist mir ein Bedürfnis, mich zu Beginn ganz besonders bei all denjenigen zu bedanken, die mit Rat und Tat bei der Vorbereitung und der Durchführung dieser Veranstaltung mitgeholfen haben. Sowohl die Bürgermeister und Gemeinderäte von Claußnitz, Taura, Königshain-Wiederau, als auch unsere Bürgerinnen und Bürger, insbesondere die Mitglieder des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes in Claußnitz und Umgebung e.V., stehen gemeinsam gegen die Konzentration des Bergbaus in unserer Heimat.

Ich möchte Sie zunächst über den weiteren Ablauf dieser Veranstaltung informieren. Nach meiner Ansprache wollen wir gemeinsam ein Lied singen: "Bunt sind schon die Wälder". Es werden jetzt soeben die Texte dazu noch ausgeteilt und unser Posaunenchor der wird uns hier kräftig mit unterstützen dabei. Danach bitte ich Herrn Landrat Dr. Schramm für ein paar Worte an uns, danach wird Frau Dr. Helga Otto, die Vorsitzende des Vereins für verantwortungsvolle Nutzung des Lebensraumes in Claußnitz und Umgebung sprechen. Wir hören dann ein kurzes Musikstück vom Posaunenchor und danach wird Herr Gottfried Donner aus der Sicht der Landwirtschaft seine Anmerkungen zum Bergbau machen. Nach einem weiteren Musikstück wird noch Pfarrer Christian Schmidt aus seiner christlichen Sicht zu uns sprechen. Und zum Abschluß wollen wir gemeinsam noch das Lied "Kein schöner Land" singen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

"Wir haben die Welt nicht von unseren Vätern ererbt, sondern von unseren Kindern geliehen", das sagt ein altes indianische Sprichwort. Wir stehen heute und hier gemeinsam in der Verantwortung, den Lebensraum in unserer Heimatregion als Grundlage für das Leben und die Ernährung zu schützen und zu erhalten. In unserer Region ist eine erhebliche Konzentration von bestehenden und geplanten Abbaustandorten vorhanden. Schon in den vergangenen Jahrhunderten, das weiß jeder, wurden hier Steinbrüche und Kiesgruben betrieben. Auch unser Gemeinderat in Claußnitz mußte sich in den letzten Jahren schon oft mit Stellungnahmen zu bergbaulichen Betriebsplänen befassen.

Zur konkreten Situation in der Region:

Zwei Steinbrüche arbeiten bereits in unserer Gemeinde, die Westsächsischen Steinwerke in Diethensdorf und die Schotter und Splittwerke Altenhain, Werk Markersdorf. Beide Betriebe stehen im Landschaftsschutzgebiet Mulden und Chemnitztal. Weiterhin betreibt die Firma Delling Bau GmbH eine kleine Sandgrube für den betrieblichen Eigenbedarf in Röllingshain. Für das geplante Kiesabbauvorhaben in Königshain, Altmittweida und Claußnitz, die Bergwerksfelder umfassen insgesamt eine Fläche von ca. 263 ha, steht das Planfeststellungsverfahren vor der Tür. Auch unser bekannter Königshainer Wald ist bedroht. Der gesamte südliche Teil ist von einem Bergwerksfeld überlagert, welches im Treuhandeigentum ist. Die Bergbaufelder "Bernd" in Taura mit 120 ha und "Hugo" mit 71 ha hier in Markersdorf seien abschließend genannt.

Ich habe immer die Meinung vertreten, und damit stehe ich auch nicht allein da, daß man nicht jeglichen Bergbau ablehnen kann. Baustoffe werden dringend für den Aufbau unserer Region benötigt. Aber, die erhebliche Konzentration der vorhandenen und geplanten Bergwerksfelder in unserer Heimatregion führt zu einer Einschränkung der Lebensqualität unserer Bürger und behindert die Entwicklung der Gemeinden in der Region. Ich möchte nur zwei Beispiele aus kommunaler Sicht nennen :

  1. Unsere Gemeinde hat, mit EU-Mitteln gefördert, hier in unmittelbarer Nachbarschaft die ehemalige Russenkaserne abgerissen. Der Gemeinderat plant als Nachnutzung ein Wohngebiet. Wer möchte aber hier ein Grundstück kaufen und sich neben einem Steinbruch sein Haus bauen? Der Marktwert der Grundstücke geht gegen Null.
  2. Die Wohnhäuser in der Siedlung Chemnitztalstraße wurden ebenfalls mit umfangreichen öffentlichen Mitteln gefördert, saniert. Die Vermietbarkeit ist bei einem benachbarten Steinbruch in Frage gestellt

Mit über 1000 Unterschriften haben sich besorgte Bürger gegen die Einzeichnung der Bergwerksfelder in den Entwurf unseres Flächennutzungsplanes gewandt. Die Rechtslage ist allerdings so, daß ein Flächennutzungsplan ohne nachrichtlich übernommene, bestehende Bergwerksfelder, nicht genehmigungsfähig ist. Uns blieb nur die Möglichkeit, den Plan zur Zeit nicht zu beschließen, um den Bürgerwillen zu entsprechen. Durch diese Rechtslage werden die Gemeinden gehindert dem Planungswillen des Gemeinderates und der gesamten Bürgerschaft zu entsprechen und auch die Planungshoheit auszuüben. Ich betrachte dies als eine Aushöhlung der kommunalen Selbstverwaltung. Im Bergrecht wirkt altes DDR-Unrecht fort: Den Bodeneigentümern wird quasi das Recht abgesprochen über ihr Eigentum selbst zu entscheiden. Hier ist ein gemeinsamer Widerstand notwendig. Ein sehr wichtiger Faktor ist auch der Abtransport der gewonnenen Rohstoffe. Unsere Dörfer stöhnen unter dem Staub und Lärm des zunehmenden Schwerlastverkehrs. Der schlechte Ausbauzustand der Bundes und Staatsstraßen in einigen Abschnitten potenziert diese Problematik.

Wir fordern neben der Fortsetzung des grundhaften Ausbaues dieser Straßen auch, daß zukünftig nicht nur das jeweilige Einzelvorhaben, sondern alle Abbauvorhaben im Zusammenhang betrachtet werden müssen. Diese Auffassung teilen unsere Gemeinden auch mit unserem Landrat Herrn Dr. Schramm. Gemeinsam mit ihm werden zur Zeit Gespräche mit dem sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit Herrn Kajo Schommer und der Konzernleitung der Heidelberger Baustoffwerke vorbereitet. Unsere Abgeordneten der Region, der parlamentarische Staatssekretär und Mitglied des Bundestages Herr Dr. Gerald Thalheim und das Mitglied des Landtages Herr Dr. Peter Jahr, unterstützen unser gemeinsames Anliegen. Unser nächstes gemeinsames Ziel ist es, daß die geplanten Steinbrüche auf den Feldern "Bernd" und "Hugo" nicht entstehen, denn eine weitere Belastung unserer Heimatregion können wir nicht mehr verkraften. Darum stehen wir auch heute hier und bekunden gemeinsam unseren Willen.

Ronald Reagan, der frühere Präsident der USA, hat einmal gesagt: "Sicher ist nur dies: Wenn wir nichts tun, werden wir auch nichts erreichen!"

Darum möchte ich Sie alle abschließend auffordern, weiter gegen die Konzentration von Bergbauvorhaben zu kämpfen. Jeder an seiner Stelle, jeder nach seinen Möglichkeiten, damit unsere liebenswerte Heimatregion für uns und auch für unsere Kinder erhalten bleibt.

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