Sie sind hier: home - Themen - Gesteinsabbau - Sternmarsch 31.10.2001 - Ansprache Vertreter der Landwirtschaft

Sternmarsch - Ansprache Vertreter der Landwirtschaft

Vertreter der Landwirtschaft Herr Donner bei der Ansprache zum Sternmarsch

Vertreter der Landwirtschaft
Herr Donner


Wortlaut der Rede

Liebe Anwesende,

das Abbaufeld "Hugo" hat uns hier in Markersdorf zusammengeführt. Die Nutzung des Bodens durch Ackerbau erfolgt weltweit schon achttausend Jahre. Unsere Dörfer wurden vor ca. tausend Jahren besiedelt. Eine lange Zeit. Tausend mal konnten wir ernten. Heute stellt sich die Frage: Wie viele Ernten kann uns dieser Acker noch liefern? Das hängt von uns ab, oder wir überlassen das Feld "Hugo". Viele Generationen haben sich der Vorräte unseres Planeten bedient und genießen den Wohlstand. Nicht alle Dinge die wir verbrauchen sind unendlich vorhanden. Das betrifft auch unseren landwirtschaftlich nutzbaren Boden. Unser Wohlstand verlängert unsere Lebenserwartung, wir sind einige Jahre länger Konsumenten und essen mit zunehmendem Alter nur gute Qualität an Lebensmitteln. Wer will schon vom Rind die BSE übertragen haben? Mit Aufwand produziert, wird vieles heute vernichtet. Die Anzahl der Menschen steigt, die Verdoppelung der Weltbevölkerung erfolgt in immer kürzeren Zeitabstand. Auf unserer Erde gibt es schon lange keine unerforschten und ungenutzten Flächen mehr. Bei all dem Wachstum hat unser Planet das Nachsehen, denn ihm ist es nicht vergönnt mitzuwachsen.

Nun eine nicht so medienwirksame Information:

Der Weltbericht 2000, Hunger und Unterernährung, veröffentlicht von den Vereinten Nationen, stellt fest, dass die Nahrung noch immer vielen Menschen ein äußerst knappes Gut ist. 826 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen und hungern. Damit nenne ich nur einige Gründe, heute und hier zu protestieren.
Die Abbaufelder für Gestein "Hugo" und "Bernd" vor unserer Haustür, haben uns gerufen, aber wir wollen weder "Hugo" noch "Bernd". Hier geht es nicht um das Wetter, um ein Tiefdruckgebiet, welches mit harmlosen Namen benannt, uns so manche Woche Urlaub oder Erntewetter verdirbt. Für das unabänderliche, aber mit der Gewissheit, dass dieses schon von schönem Wetter abgelöst wird. Kommen "Hugo" und "Bernd", haben wir die Gewissheit, dass sie bleiben mit allen Konsequenzen für uns und für unsere Kinder und Enkel. Wenn man wie ich, fünfundvierzig Jahre seines Lebens als Landwirt den Boden bestellt und geerntet hat, und das im Umfeld von Steinbrüchen in Diethensdorf und Claußnitz, kennt man die negativen Wirkungen auf die angrenzenden Felder. Die Flächenausdehnung der geplanten Steinbrüche ist zu den vorhandenen um ein mehrfaches größer.

Ein weiteres Argument, die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Ich kann es nicht beurteilen, wie viele da geschaffen werden, aber beurteilen kann ich, den Verlust zu Zeit vorhandener Arbeitsplätze. Mit dem Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche von ca. 100 ha verlieren wir drei Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und zwölf Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich der Wirtschaft. Boden ist die Basis unserer Existenz und bestimmt vorrangig mit, in welchem Umfang pflanzliche und tierische Produktion maximal in unserem Betrieb produziert werden kann. Die Zahl der zu haltenden Tiere und der Anbau von Feldfrüchten ist an die zur Verfügung stehende Fläche gebunden. Die Menge und Qualität tierischer Produkte und der Erträge der Feldkulturen ist die Meßlatte unserer Leistungsfähigkeit als Bauern. Die Erhaltung der Landwirtschaftlichen Nutzfläche und die Mehrung der Bodenfruchtbarkeit ist für unsere Existenz eine wichtige Aufgabe. Nach all den allgemeinen Vorschriften des Bundesbodenschutzgesetzes, ist geregelt, welche Rechte und Pflichten wir zur Bodennutzung haben.

Am Anfang steht folgende Formulierung: Unsere Vorsorgepflicht ist es, durch gute fachliche Praxis die landwirtschaftliche Bodennutzung zu sichern. Der Boden ist nicht vermehrbar. Der Schutz des Bodens vor schädlichen Veränderungen ist daher von hoher gesellschaftlicher Bedeutung und eine vordringliche Aufgabe.

"Hugo" und "Bernd" berufen sich auf ein Recht, welches im Einigungsvertrag ein Stück DDR-Gesetzgebung herübergerettet hat. Viele Generationen unserer Bürger sind Besitzer von Grund und Boden. Dieses Eigentumsrecht hat auch 40 Jahre Sozialismus überstanden. Leider ist neben so vielen positiven Dingen, die uns die Einheit Deutschlands gebracht hat, auch die Regelung aus der DDR zu Bodenschätzen mit vererbt worden. Im Einigungsvertrag sind die Kies und Gesteinsvorkommen anders wie in den Altbundesländern zu Staatseigentum erklärt worden. Die Besitzer von Boden wurden, auch in unserer Gemeinde, 40 cm unter der Bodenoberfläche enteignet. Die Abbaufelder waren handelbar und fanden schnell einen neuen Besitzer. In unserem Fall Heidelberger Zement.

Bodeneigentum im Widerspruch zu Besitzern in den alten Bundesländern! Im Unterschied regelt der gleiche Einigungsvertrag das getrenntes Eigentum an Grund und Boden zu Gebäuden, baulichen Anlagen, Eigenheimen, in einem vertretbaren Zeitraum zusammengeführt wird. Zwei Regelungen in einem Vertrag mit total entgegen gesetzter Wirkung. Das Bodeneigentum erhält in einem Fall zwei Besitzer, im zweiten Fall werden aus zwei Besitzern einer. Das kann doch nur ein Fehler sein, der zu korrigieren ist. Betrachten wir nun zwei Klassen von Landeigentümer, die daraus entstanden sind. Die Ersten haben von diesen neuen Mitbesitzern ihres Boden sehr spät erfahren, lange nach dem die Abbaurechte einen neuen Besitzer gefunden hatten. Ein Miteigentümer der nicht im Grundbuch verzeichnet ist. Landeigentümer mit einem staatlich sanktionierten Kuckuck im Nest, der sein Ei unterhalb der Ackerkrume gelegt hat. Wie in der Tierwelt ist der ausgeschlüpfte junge Kuckuck stark genug und haut alle anderen aus seinem Nest. Praktisch werden die Besitzer genötigt zu verkaufen oder am Ende einer nervenraubenden Prozedur werden sie enteignet.

Soweit wird unsere Bürgerinitiative das nicht kommen lassen. Wir werden die Inanspruchnahme unseres Bodens für Kies- und Steingewinnung verhindern. Es gibt keine Zustimmung der Besitzer des Boden und der Menschen unserer Gemeinden.

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Letzte Änderung am 09.11.2003 von webmaster