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Chemnitztalbahn - Der große Tag

Im Carolapark zu Markersdorf fand die offizielle Feier zur Eröffnung der Chemnitztalbahn statt27 Monate nach Baubeginn war es dann soweit. Nach mehrmaligem Verschieben erfolgte die technische Revision der Chemnitztalbahn am Samstag den 22. Juni 1902. Um 9.40 Uhr verließ der Prüfzug die Stadt Chemnitz und traf um ca. 2 Uhr in Wechselburg ein. Unterwegs wurde an jeder Verkehrsstelle und an allen größeren Kunstbauten haltgemacht. An der Abnahme der Bahn beteiligten sich dann unter anderen der neue Finanzminister Dr. Rüger, der Generaldirektor der Staatsbahnen von Kirchbach, die Geheimräte Poppe und von Sendwitz, Eisenbahndirektor Weidner und Finanzrat Kreul.

Alle Bauwerke und Anlagen der Bahn wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen, besondere Beachtung schenkte man den zahlreichen Brücken und den beiden Tunnel der Eisenbahnstrecke.

Endlich war es soweit: Am 30.06.1902 wurde die neuerbaute Chemnitztalbahn eröffnet.

Bahnfahren war zur dieser Zeit schon teuer, denn satte 10 Mark (damals ein ganzer Wochenlohn!) mußten für die Eröffnungsfahrt inclusive Festessen hingelegt werden.
Um 9.25 Uhr begann in Chemnitz die Fahrt des Festzuges der schließlich 11.04 Uhr Wechselburg erreichte. Hier wurden die Teilnehmer mit einem Festessen verwöhnt. Nachdem sich alle gestärkt hatten, fuhr der Zug zurück nach Markersdorf-Taura, wo er um 13.20 Uhr eintraf. Schon unterwegs säumten viele Schaulustige den Weg der beiden Dampfrösser, die mit den 12 Wagen lustig durch das Tal schnauften. In Markersdorf angekommen begrüßte die Schuljugend mit musikalischer Unterstützung den Festzug. In packender Weise wurde ein eigens für die Bahnweihe selbst gedichtetes Lied vorgetragen.
Festakt, offizielle Gedenkfeier und die Weihrede von Pastor Hertel fand im Etablissement Carolapark in Markersdorf statt. Zu den vielen Gästen zählten nicht nur Befürworter der Chemnitztalbahn, auch die Anhänger des Querbahnprojektes überbrachten Glückwünsche. So wurde in den Reden auch auf dieses Vorhaben eingegangen. In seiner Festrede forderte Commerzienrat Voigtländer-Tetzner die Anwesenden auf, diesen Tag als die Geburtsstunde der Querbahn zu betrachten. Heute ist natürlich bekannt, daß es nie zum Bau der sogenannten Querbahn kam. Verschiedene Wirtschaftlichkeitsstudien sowie die finanzielle Lage Sachsens verhinderten stets die Umsetzung des Projektes.
Am Ende dieses unvergeßlichen Tages wurden gegen 22.00 Uhr die Festteilnehmer mit zwei von Markerdorf-Taura aus startenden Zügen in ihre Heimatorte gebracht.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: Der in diese Zeit fallende Tod des sächsischen Königs Albert dazu führte, daß alle Vertreter der königlichen Behörden den Feierlichkeiten fernbleiben mußten.




Letzte Änderung am 08.11.2003 von webmaster